Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully..., Vorschau: Abstract Painting Now!

© ; Katharina Grosse, Ohne Titel, 2013, © Bildrecht, Wien, 2016, Foto: Olaf Bergmann

Die Abstraktion gilt in der Moderne als eine der signifikanten formalen Artikulationen und ist insbesondere mit der Malerei aufs Engste verbunden.

Der konsequenten Analyse des Mediums bis zum Nullpunkt in der Avantgarde der 1910er-Jahre folgte ein stetiges Wiederaufkeimen der ungegenständlichen Malerei, vor allem im Abstrakten Expressionismus, im Informel und in der Minimal Art. In der nachmodernen Abstraktion der 1960er-Jahre trat ein Skeptizismus gegenüber der Malerei und der schöpferischen Autorschaft auf, dem in der postmodernen Phase ab den 1980er-Jahren mit Sinnlichkeit und Intuition entgegnet wurde.

Die Ausstellung Abstract Painting Now! wird mit etwa sechzig künstlerischen Positionen ihren Schwerpunkt auf die aktuelle internationale Situation des ungegenständlichen Tafelbildes legen und das weite Feld einer immer noch bedeutenden malerischen Praxis auffächern. Historische Basis der Schau ist die Entwicklung im Anschluss an den Abstrakten Expressionismus, die vor allem von Gerhard Richter und Sigmar Polke getragen wurde. Ersterer wandte sich nach einer Periode der Agonie, in der seine grauen Vermalungen entstanden, dem Schönen, scheinbar Expressiven zu. Letzterer setzte Abstraktion als ironische Paraphrase ein und kommentierte damit die Wahrhaftigkeit des Pinselstrichs als Markierung des künstlerischen Ichs.

Dekonstruktion, Kritik an der Autorschaft, Mix, Zitat und Ornament sind einige der wesentlichen Parameter in der aktuellen abstrakten Malerei, wenn etwa Wade Guyton seine minimalistischen Streifenbilder von einem Tintenstrahldrucker erzeugen lässt. Katharina Grosse tauscht den klassischen Pinsel gegen die Airbrushpistole und kreiert irisierende colour fields. In der modernen Malerei galt das Ornament als Verbrechen, als nutzlose Schlacke der autonomen Kunst. In der stilpluralistischen Postmoderne findet es in der Abstraktion bei Ross Bleckner und Philip Taaffe wieder einen Platz. Der erweiterte Abstraktionsbegriff schließt auch Natur und Landschaft in Form neoromantisch- expressiver Farbfelder wie jener von Per Kirkeby ein. Bei Sean Scully paaren sich Konstruktiv- Geometrisches und  malerische Atmosphäre in einer Synthese von Ratio und Emotion. Spiritualität und geometrische Abstraktion in der Nachfolge von Kasimir  Malewitsch und Barnett Newman sind bei Helmut Federle essenzielle Kriterien. Bei Brice Marden und Lee Ufan speichert der Pinselstrich als Zeichen des meditativen Akts das Geistige in der Kunst. Diese Ernsthaftigkeit und diese Konzentration auf Geist und Bild sind auch in den monochromen Gemälden von Marcia Hafif, Joseph Marioni und Günter Umberg anzutreffen.

Ebenso haben sich in Österreich Tendenzen der neuen Abstraktion entwickelt, die ein selbstverständliches größeres Ganzes mit den internationalen Positionen bilden: Ab den 1980er-Jahren stehen konzeptuelle neugeometrische Arbeiten von Ernst Caramelle, Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig neben Farbfeldmalereien von Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Hubert Scheibl und Walter Vopava. Darauf folgen in der Ausstellung jüngere Positionen, die das Projekt Abstraktion bis heute in voller Bandbreite fortführen.

 

Kurator: Florian Steininger

© Bildrecht, Wien, 2016; Bernard Frize,Balaire (Detail), 2015, Galerie nächst St. Stephan